Wie unser Nervensystem auf Neues reagiert – Trauma, Achtsamkeit und Wachstum

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Hallo und herzlich willkommen beim Podcast Verbundenheit erleben. Mein Name ist Tanja Mayer, und ich bin S-O-S-Trainerin sowie Traumafachberaterin. In meinem Podcast greife ich Themen rund um die Funktionsweise unseres Nervensystems auf, insbesondere das autonome Nervensystem, Selbstregulation, Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Zudem beschäftige ich mich mit Trauma und seinen Folgen. Dabei möchte ich sowohl die Perspektive der Überlebenden von Trauma als auch die professionelle Sicht einbringen.

Für die heutige Folge habe ich ein Thema gewählt, das mich in letzter Zeit intensiv beschäftigt: die Herausforderungen, die Neues in unserem Leben mit sich bringt. Menschen mit Traumafolgen müssen sich diesen Herausforderungen oft täglich stellen. Ich lade dich ein, mir zuzuhören, und wünsche dir Inspiration und Freude dabei.

Neues, das uns im Leben begegnet, wirkt oft wie eine Gefahr – und das erkennen wir nicht immer bewusst. Aus der Sicht eines Trauma-Überlebenden kann ich sagen, dass mir früher nicht klar war, was in mir geschah, wenn ich auf neue Erfahrungen, neue Begegnungen oder Erlebnisse stieß.

Damals, als ich mir dieser Vorgänge in meinem Körper und Nervensystem nicht bewusst war, empfand ich oft Angst oder sogar Panik. Ich wollte Neues eigentlich gar nicht – aber wer in mir wollte das nicht? Ich glaube zutiefst, dass wir Menschen immer nach Balance streben, sowohl in unserem Inneren als auch im Außen. Unser Körper sucht automatisch nach einem Gleichgewicht, einer sogenannten Homöostase. Genauso verhält es sich mit unserer Aufmerksamkeit nach außen: Auch dort suchen wir nach Ausgeglichenheit in den Dingen, die uns begegnen.

Etwas, das ich auf meinem eigenen Weg gelernt habe, ist, dass in jeder unangenehmen Erfahrung auch eine Chance steckt. Nur durch Herausforderungen können wir wachsen. Wahrscheinlich hast du den Satz schon oft gehört: „Man muss aus seiner Komfortzone herauskommen.“ Doch wie viel davon tut uns wirklich gut? Wie viel ist zu viel?

Diese Frage ist entscheidend, denn das richtige Maß zu finden, ist ein individueller Prozess. Die Praxis der somatischen Achtsamkeit hilft mir persönlich sehr dabei, herauszufinden, was mir gut tut und was mich überfordert. Wer Freude am Leben empfindet und seine Traumafolgen ein Stück weit integriert hat, wird wieder neugierig auf neue Dinge. Doch nicht jedes Nervensystem reagiert gleich: Während einige Menschen die Aufregung des Neuen genießen, bewerten andere es als Gefahr.

Unser autonomes Nervensystem bewertet ständig, ob etwas sicher oder gefährlich ist – und das ohne unser bewusstes Zutun. Diese Bewertung basiert auf unseren Prägungen und vor allem auf vergangenen Erfahrungen, die uns geschadet haben.

Hier liegt die eigentliche Herausforderung: Wie können wir trotz dieser automatischen Bewertungen offen für Neues bleiben? Wie können wir unser Nervensystem unterstützen, damit es uns nicht blockiert, sondern uns erlaubt, zu wachsen?

Was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir auf etwas Neues treffen? In der somatischen Achtsamkeit kennen wir sechs Ebenen der Reaktion:

  1. Gedanken
  2. Gefühle und Emotionen
  3. Sinneswahrnehmungen
  4. Körperempfindungen
  5. Bewegungsimpulse
  6. Spiritualität und Verbundenheit

Je nachdem, wie unser Nervensystem das Neue bewertet, fällt unsere körperliche Reaktion aus. Wenn unser Puls steigt, kann das entweder ein Zeichen für freudige Aufregung oder für Angst sein. Unsere früheren Erfahrungen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Auf meinem Weg der Trauma-Integration gab es eine lange Phase, in der mein Nervensystem in fast allem eine Gefahr sah. Das führte dazu, dass ich mich oft zurückzog oder sogar unterwarf, anstatt Neues auszuprobieren.

Doch unser Gehirn ist zeitlebens in der Lage, sich zu verändern. Es kann neue Nervenbahnen und Strukturen aufbauen. Das bedeutet, dass wir durch bewusste, neue Erfahrungen unsere alten Muster durchbrechen können. Je häufiger wir gute Erfahrungen machen, desto mehr verstärken wir positive Verknüpfungen in unserem Gehirn – und schwächen die alten, einschränkenden Muster.

Wenn ich einen Rat geben darf: Kleine Schritte sind der Schlüssel. Sie sind es, die den Weg bereiten und nachhaltige Veränderungen ermöglichen. Manchmal führen diese kleinen Schritte auch zu großen Sprüngen, aber jeder Mensch hat sein eigenes Tempo.

Mit diesen Gedanken möchte ich die heutige Folge beenden. Wenn du möchtest, wünsche ich dir viele gute Erfahrungen mit dem Neuen, das dir begegnet – und den Mut, kleine Schritte zu gehen. Denn so können sich neue Wege in deinem Nervensystem bilden, während die alten, nicht mehr hilfreichen Muster langsam verblassen.


Vielen Dank, dass du mir zugehört hast! Wenn dir diese Podcast-Folge gefallen hat, freue ich mich über eine Bewertung auf deiner bevorzugten Plattform. Du findest mich auch auf Instagram, Facebook und meiner Website unter Tanja Mayer – Verbundenheit erleben. Bis zum nächsten Mal!

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